
- Devid Striesow, Rezitation
- Hideya Harada, Klavier
- Auszüge aus Briefen sowie Dokumenten von Chopin und Zeitgenossen
- im Wechsel mit Werken des Komponisten
Beschreibung
„Er verdreht hier in Paris allen Frauen den Kopf. Das macht die Männer eifersüchtig. Er ist jetzt in Mode. Und die elegante Welt wird bald auch noch Handschuhe à la Chopin tragen.“ So schrieb es der polnische Geiger und Komponist Antoni Orlowski 1834 von Paris aus nach Warschau an die Familie seines Freundes Frédéric Chopin. Aber war dieser Frédéric Chopin, der als Pianist die Salonwelt des 19. Jahrhunderts so aufmischte – eine bloße Modeerscheinung, ein Profiteur des seichten Unterhaltungsanspruchs seiner Zeit?
Der Schauspieler Devid Striesow und die Pianistin Hideyo Harada räumen mit so manchem Klischee auf und porträtieren in ihrem gemeinsamen musikalisch-literarischen Programm einen hochsensiblen, in ambivalente Gefühlsregungen verstrickten Künstler, der auf seinem Instrument, dem Klavier, gewaltige Empfindungen in Form zu bringen wusste und dabei durchaus auch einen autonomen Kunstanspruch verfolgte. Der sich nicht nur im Glanz der Pariser Salons sonnte, sondern zugleich die politischen Entwicklungen in seiner polnischen Heimat mit großer Besorgnis verfolgte. Für den „Schwärmerei, Grazie, Geistesgegenwart“ ebenso charakteristisch waren wie „Wunderlichkeit, kranke Exzentrizität, Hass und Wildheit“ – so analysierte es jedenfalls sein Kollege Robert Schumann.
Was die Textausschnitte erzählen, belegt die Musik mit der ihr eigenen Dringlichkeit und Unmittelbarkeit. Hideyo Harada hat aus dem überbordenden Klavierschaffen Chopins eine Auswahl von Nocturnes, Walzern, Etüden, Balladen und Mazurken getroffen und reagiert auf die zitierten Passagen mit den passenden musikalischen Stimmungsbildern, unter ihnen auch jene hochemotionale, kühne und hochkomplexe Ballade Nr. 1 in g-Moll, die mit ihren Kontrasten zwischen Schwermut und wilder Raserei wie improvisiert wirkt und doch Resultat akribischer Arbeit ist.
